Einblicke - Operations follows Development follows Marketing

Autonome Code-Fabriken sind technisch in Reichweite. Aber etablierte Hersteller spielen noch nicht mit. Erfahrungsbericht aus der Entwicklung gegen eine API, die Automation blockiert.

· Oliver Philippsen · 2 Min. Lesezeit · LinkedIn
Operations follows Development follows Marketing

Letzte Woche hat Johann-Peter Hartmann über AI Dark Factory Patterns berichtet — ein Beitrag den ich Euch wärmstens empfehlen möchte, inklusive brutal ehrlicher Anti-patterns. Das ist der aktuelle Status Quo!

„Dompteur", das bin dann wohl ich — aber ich verändere mich. Letztes Wochenende: ein Experiment — Library, CLI, 9 Use Cases, Tests, 5-Plattform-Release. Die Agenten haben nachts autonom 16 Features implementiert, während ich geschlafen habe. Vielleicht bin ich doch langsam Mechaniker?

Wie sowas funktionieren kann — Agenten schreiben und shippen Code ohne dass ein Mensch den Code sieht: Dan Shapiro über autonomes Code-Shipping .

Dan Shapiro hat ein Maturity-Modell mit 5 Leveln entwickelt — von „AI schreibt Code, Mensch reviewed" bis zur vollautonomen Factory. Die Technologie ist da, sie funktioniert.

Aber: Was mich ausgebremst hat, waren nicht die Agenten. Es war die Vendor API. Ich habe gegen eine Public API eines deutschen Softwareanbieters entwickelt — mind. 500.000 Kunden in Deutschland. Die Bilanz: undokumentierte Abweichungen, Endpoints die nicht existieren. PDFs die Base64-kodiert zurückkommen statt als Datei. Eine OpenAPI-Spec? Gibt es nicht.

Und das kein Einzelfall. Mandanten anlegen: händisch. Reports generieren: händisch. Branchenlösungen? Datensilos ohne API. Im Jahr 2026.

Hier ist das eigentliche Problem:

StufeStand
Stufe 0: Papier & Excel← viele KMU sind hier
Stufe 1: Digitalisierung← „wir haben jetzt eine Software"
Stufe 2: Standardisierung← die meisten schaffen es nicht hierher
Stufe 3: Integration← Schnittstellen, die es nicht gibt
Stufe 4: Automation← wird aktiv blockiert
Stufe 5: Dark Factory← davon reden wir aktuell

Die Hersteller verkaufen „AI-Features" in ihren Produkten. Gleichzeitig bauen sie APIs als Einbahnstraße: Daten rein — einfach. Daten raus — schwer bis unmöglich.

Auf der einen Seite sind autonome Code-Fabriken am Horizont, und man könnte integrieren, kombinieren, automatisieren — in nie dagewesener Geschwindigkeit und Qualität. Aber etablierte Hersteller spielen noch nicht mit. Offene APIs, vollständige Dokumentation, bidirektionale Schnittstellen im KMU-Markt? Fehlanzeige.

Operations follows Development follows Marketing:

Marketing: „Wir haben AI!" →
Development: baut einen Chatbot in die App →
Operations: Jemand tippt weiterhin Belegnummern oder Adressen ab.

Was sich ändern müsste:

  • Vollständige APIs als Standard, nicht als Premium-Feature
  • Specs verpflichtend für jeden der eine API anbietet
  • Bidirektionale Schnittstellen — rein UND raus

Die Dark Factory ist technisch möglich.
Die Agenten sind bereit. Die Hersteller nicht.

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