Einblicke - Warum AMD? Zwei Wochen später.

Zwei Wochen nach der AMD Advancing AI 2026: vier Eindrücke, die geblieben sind. Ein Kritiker auf der Bühne, 192 GB Unified Memory, Hardware zum Anfassen und ein Konzern, der AI einführt wie ein Mittelständler.

· Oliver Philippsen · 3 Min. Lesezeit · LinkedIn
Warum AMD? Zwei Wochen später.

Zwei Wochen ist die AMD Advancing AI jetzt her. Ich habe damals live von dort gepostet . Zu viele Impressionen für einen Abend. Mit vierzehn Tagen Abstand ist die Sortierung einfach. Was jetzt noch im Kopf ist, hat sich seinen Platz verdient. Es sind vier Dinge.

Erstens, Feedback auf der Bühne. George Hotz (comma.ai, tinygrad, tinybox) hielt einen Lightning Talk mit einer klaren Botschaft, auf AMDs eigener Bühne: Euer Software-Stack ist zu kompliziert, weil ihr NVIDIAs Komplexität kopiert, statt sie wegzulassen. Sein tinygrad zeigt, mit wie viel weniger es geht. Er sagte es als Partner, der auf AMD-Hardware einen eigenen, unabhängigen Stack baut . Und AMD? Hat eingeladen, zugehört, applaudiert. Hotz zeigte auch Marktzahlen: rund 6 Prozent AMD, 2 Prozent Intel, der Rest NVIDIA. Öffentliche Schätzungen liegen im selben Bereich: rund 81 Prozent NVIDIA laut IDC , 5 bis 7 Prozent AMD , Intel um die 1 Prozent . Und trotzdem traut er AMD zu, NVIDIA schlagen zu können. Bei 6 Prozent Marktanteil ist das keine Schmeichelei. Das ist eine Wette. Wer tiefer einsteigen will: SemiAnalysis hat dieselbe Frage direkt auf der Konferenz seziert .

Plattformen sind Wetten auf Kultur. Ein Anbieter, der seinen lautesten Kritiker auf die Bühne stellt, optimiert auf Wahrheit statt auf Komfort.

CUDA- und ROCm-Software-Stack im Vergleich, Schicht für Schicht gespiegelt, daneben tinygrad als ein einzelner Block
Zwei Stacks, Schicht für Schicht gespiegelt. Das meint Hotz, wenn er „kopiert“ sagt. Ganz rechts seine Antwort.

Zweitens, die Speicherklasse wächst. Meine Wette lief über 128 GB Unified Memory in einer Maschine, die man einfach kaufen kann. Die nächste Stufe ist angekündigt: Ryzen AI Max+ 495, 192 GB Unified Memory, bis zu 160 GB davon als VRAM . Die Gerüchte zur dritten Generation deuten auf LPDDR6 mit rund 80 Prozent mehr Bandbreite . Ehrlicher Minuspunkt: die aktuellen Preise. Ein Zwischenrefresh mit Premiumaufschlag. Der Markt wird das regeln. Mehr Anbieter, bessere Preise.

Drittens, Hardware zum Anfassen. Eine Ausstellungsfläche voller Geräte, die man kaufen kann. Keine Renderings von Dingen, die 2028 kommen. Es fühlte sich an wie CeBIT, in gut. Dazu Partner, die ich nicht auf dem Zettel hatte. Cerebras etwa: Chips in Wafer-Größe, ein ganzer Wafer als ein Prozessor, gebaut für schnellste Inferenz. Auf der Konferenz frisch mit AMD verbündet : Helios-Racks verarbeiten die Prompts, der Wafer erzeugt die Token. Deren Preisliste ist nicht meine Realität. Macht nichts. Die Palette ist der Punkt.

Viertens, AMD nutzt AI wie ein Mittelständler. Der Talk „Inside AMD IT“: angefangen bei Prozessen, die es schon gab. Buchhaltung, Abstimmung, Betrieb. Frontier-Modelle für die harte Anfangsarbeit, dann der Umstieg auf günstige lokale Open-Source-Modelle, Routing obendrauf. Und es hört nicht bei der Verwaltung auf: Mit ROCm.AI lässt AMD inzwischen AI-Agenten die eigenen GPU-Kernel schreiben , verifizierte 21,8 Prozent mehr Durchsatz. Die Wette dahinter: Agenten schließen genau die Software-Lücke, die Hotz kritisiert. Ansonsten ist es genau das Muster, das ich Mittelständlern empfehle, nur eben bei einem Konzern. Das verdient einen eigenen Beitrag. Er kommt.

Meine Wette vom Juli steht. Nicht wegen der 192 GB. Wegen des Applauses für den Kritiker.

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